Eine Frau in sehr hellen, vielleicht weißen Klamotten lächelte ihn an, nicht flirtend, aber doch irgendwie strahlend, gerade so, als ob sie ihn vielleicht mögen könnte. Sie beglückwünschte ihn professionell zu seiner Entscheidung und erkundigte sich, ob er er schon wisse, welche Art von Yoga er üben wolle. Als er antwortete, keine Ahnung, na ja, Yoga eben, bekam ihr Lächeln vielleicht einen Zug ins Mitleidige. Es werden in diesem Studio fünf Arten von Yoga angeboten: Hatha Yoga, Vinyasa Yoga, Slow Flow Yoga, Power Yoga, Yin Yoga. Ob sie ihm mal was dazu sagen solle? Er wehrte ab, das sei nicht nötig, er komme auf Empfehlung von ihr und wolle die gleiche Art Yoga machen wie sie. Nachdem er sie erwähnt hatte, fiel ihr Lächeln da vielleicht ein wenig ins Professionelle? Es folgte der obligatorische Abgleich von Name und Adresse. Ah ja, alles klar. Offenbar war ihr Yogastil im Datensatz festgehalten. Wieso eigentlich? War das nicht viel zu umständlich? Wenn man mal den Yogastil wechselte? Na ja, er habe nur laut gedacht, jetzt sei es ja wirklich nützlich. Ob sie ihm die Besonderheiten erklären solle? Nee, ja, keine Ahnung, er wollte dann aber doch noch wissen, ob dieses Yoga für ihn als Anfänger geeignet sei. Absolut, ja, die beste Wahl für Anfänger, würden sie immer empfehlen. Und ob es auch nicht zu langweilig sei? Überhaupt und gar nicht, das werde er rasch merken. Also gut. Und so bekam er ihren Yoga-Stil übergebraten. Vorname, Nachname, Straße, Hausnummer, Postleitzahl, Wohnort, Telefonnummer unter der wir dich tagsüber erreichen können, wenn mal was ist, E-Mail-Adresse, IBAN. Sie strahlte, während sie seine Daten eingab, vielleicht ihn an. Die konnte wohl blind tippen, und ganz schön schnell, war sie wohl auch stolz drauf. So, sagte sie, warf die Haare hinters Ohr, erhob sich leicht und elegant, eben schnell die Ausdrucke holen, der Drucker vorne sei ausgefallen. Und mit flatternden Hosenbeinen ab. Erschreckend hübscher Anblick. Wieder zurück, erbat sie von ihm drei Unterschriften. Wieso drei? Vertrag, Einzugsermächtigung und Datenschutzerklärung. Ah ja, alles klar. Er ließ sich einen Stift reichen und berührte bei der Übergabe mit Absicht aus Versehen ihre Fingerspitzen. Sie sah ihm scharf in die Augen, vielleicht erbost, vielleicht erschreckt. Er verstand, dass er zu weit gegangen war. Schulligung, maulte er. Jetzt Körperbeherrschung, damit die Spitze des Stifts auf dem Papier landete und nicht ihn seinen Augen. Er unterzeichnete rasch und ohne jedes Zögern, drehte die Blätter zu ihr hin. Sie hatte, vielleicht demonstrativ, am Computer zu tun. Er legte den Stift etwas geräuschvoll auf den Tresen. Sie hielt intensiven Blickkontakt mit ihrem Bildschirm. Ham wirs, sagte er, nicht als Frage. Sie gab irgendwas ein, schweigend. Webster betrachtete äußerst interessiert den geliehenen Kugelschreiber. Dieser Stift, es war einer von diesen durchsichtigen Wegwerf-Kugelschreibern, bei denen man stets sehen konnte, wieviel Tinte noch in der Mine warm, sechseckig, rollte nicht, der Name des Herstellers golden eingeprägt. Es war aussichtslos. ’kay, sagte er, bin ich dann mal weg. Und wandte sich um, ohne ein weiteres Mal auf ihren Blick zu warten. Ob ihr schönes Lächeln, und die Aussicht, häufiger mal in ihrem Strahlen baden zu dürfen, seine Entscheidungsfreude begünstigt hat, oder ob es eher das schlechte Gewissen war, wer vermöchte das zu sagen? Tschüß-üß, rief sie ihm übertrieben freundlich hinterher.
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