Vielleicht ist der Vorort sang- und klanglos eingemeindet worden, etwa zu einer Zeit, als die Staatsform noch keine Demokratie war und die Bürger kaum eine Ahnung davon hatten, dass sie das Volk seien. Doch wenn die Einverleibung erst vor wenigen Jahrzehnten beschlossen sein sollte, ist sie höchst wahrscheinlich von einigem öffentlichen Gemurre begleitet gewesen, mit dem der Vorort sich möglichst unverdaulich gerierte. Fanny glaubt, sie kann sich noch daran erinnern. Angeführt wahrscheinlich von einigen Lokalpolitikern, die um ihren Einfluss fürchteten, entstanden Bürgerinitiativen, die sich in der Presse zu Wort meldeten oder jahrelang durch kleine, manchmal recht lustige Inszenierungen bürgerlichen Ungehorsams im Rathaus oder auf der Straße einige Aufmerksamkeit auf sich zogen, bisweilen über die Grenzen der Metropole hinaus. Denn vor einigen Jahrzehnten konnte der Bürger durchaus noch Wutbürger sein, ohne dass er sich als solchen denunzieren lassen musste. Und so wurde dann munter Klage erhoben über diverse, meist symbolische und zugleich hoch emotionale Verluste des Eigenen: des eigenen Schwimmbads, des eigenen Kfz-Kennzeichens, der eigenen Postleitzahl, in einem Wort: der Identität.
Eingemeindung
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