Zum Inhalt springen
Zurück

Was bisher geschah

Zuletzt geändert:

Die Protagonistinnen und Protagonisten wurden gezeugt, geboren und als Kinder großgemacht. Sie besuchten vielleicht einen Kindergarten und hinterher vielleicht eine Art Grundschule, die in dem Bundesland, in dem sie sie besuchten, oder in der Zeit, in der sie sie besuchten, vielleicht noch irgendwie anders genannt wurde.

Einige erwarben ihre Berufsausbildung ohne Abitur, andere mit. Von den Abiturientinnen und Abiturienten studierten einige vielleicht irgendwas, andere vielleicht was anderes oder überhaupt nicht.

Die wirklich allermeisten, vielleicht sogar alle, zogen aus dem Elternhaus aus und suchten sich eine eigene Wohnung, manche möglichst weit vom Elternhaus entfernt, andere fühlten sich nur wohl, wenn sie wussten, dass sie, sollte alles zusammenbrechen, in einem Tagesmarsch Hotel Mama erreichen konnten.

Einige erwarben vielleicht eine Berechtigung zum Führen von Kraftfahrzeugen, andere sprachen sich prinzipiell und rigoros gegen motorisierten Individualverkehr aus und kauften sich vielleicht ein richtig gutes Fahrad oder vielleicht eine Monatskarte oder gingen zu Fuß.

Einige verschenkten jetzt vielleicht ihr Herz, andere vielleicht auch erst später, wieder andere verliehen es nur, sowohl jetzt als auch später.

Einige schlossen vielleicht Studium oder Berufsausbildung ab, einige andere wandten sich noch vor dem Abschluss anderen Tätigkeiten zu, vielleicht weil sie während der Ausbildung oder im Verlauf des Studiums ihre wahre Leidenschaft oder ihr eigentliches Talent entdeckt hatten, und alle Abbrecher, ohne Ausnahme vielleicht, standen innerhalb weniger Jahre deutlich besser da als die mit den Abschlüssen, zumindest was das Finanzielle anbetrifft, aber vielleicht auch sonst.

Einige begingen die Vollendung ihres dreißigsten Lebensjahres, die einunddreißigste Wiederkehr des Tages ihrer Geburt, den sogenannten dreißigsten Geburtstag, vielleicht unter Einhaltung ortsüblicher Rituale, andere vielleicht gänzlich ungeregelt bei einer Riesenpizza und einem Kasten Bier, oder vielleicht auch gar nicht, vielleicht weil sie verreist waren, oder weil sie vielleicht zu tun hatten, oder vielleicht weil sie niemanden kannten, der vielleicht gerne mit ihnen gefeiert hätte.

Einige bestritten fortan ihren Lebensunterhalt selbst, oder vielleicht sogar alle. Ihre Personenkraftwagen, sofern vorhanden, waren auf sie selbst angemeldet, und die Miete wurde vom eigenen Konto abgebucht.

Einige ihrer Einnahmen waren dem Finanzamt bekannt, sofern sie als Angestellte, Beamte, Freiberufler oder Kleinunternehmer tätig waren, ein Teil ihrer Einkünfte, ein vielleicht nicht ganz unerheblicher, wurde an der Steuer vorbei erwirtschaftet, oder vielleicht wurde ein weiterer Teil, ein wirklich unerheblicher, mit nicht ganz legalen Methoden erworben. In einem Wort: Man war gesettelt.

Einige heirateten, vielleicht zu dem gleichen Zeitpunkt, an dem andere sich bereits wieder scheiden ließen, vielleicht weil die einen deutlich jünger waren als die anderen, falls wir davon ausgehen dürfen, dass Heirat und Scheidung mit einer gewissen Regelmäßigkeit in ein Menschenleben kommen, ähnlich wie Ebbe und Flut an einen Strand. Oder vielleicht ließen die einen sich scheiden und die anderen nicht, weil vielleicht ihre Temperamente ziemlich verschieden waren.

Einige kauften in der Folgezeit Haus, Auto und Boot, andere, vielleicht die meisten, zählten zu den Geringverdienern, wohnten zur Miete, und obwohl sie einige pfändbare Güter besaßen, identifizierten sie sich doch eher mit dem Proletariat als mit den Reichen und Superreichen. In einer Reihe von zehn nach ihrem Vermögen geordneten Personengruppen stünden sie vielleicht in der sechsten, vielleicht in der siebten Gruppe, ganz sicher aber in einer der Gruppen fünf bis acht, also nicht ganz genau in der Mitte, sondern etwas mehr Richtung Wohlstand.

Zum Zeitpunkt dieser Erzählung ist ihnen gemeinsam: (a) sie sind berufstätig, und auf die eine oder andere Art hat ihr Beruf mit Kunst zu tun, (b) sie leben in der gleichen Stadt oder vielleicht in deren ungeliebter Vorstadt, (c) sie fühlen sich ungebunden, weil ihnen entweder eine Lebenspartnerin oder ein Lebenspartner oder das Gefühl für Verbindlichkeit in der Partnerschaft fehlt, in einem Wort: weil sie nicht lieben.


Schlagworte