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Erscheinungsbild

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Tagebuch. Ich traf zwei einander sehr ähnliche Schwestern, nahezu gleich alt, gleich groß, gleiche Haarfarbe usf. Und obwohl ich gelegentlich verunsichert war, wusste ich immer, mit welcher von beiden ich gerade sprach, und zugleich hätte ich nicht angeben können, woran ich es erkannte. Vielleicht rührte daher meine Verunsicherung? Da war allerdings ein sehr deutlicher Unterschied, den ich aber nur fühlte und nicht sah, der darin bestand, dass ich die eine erheblich sympathischer fand als die andere. Es muss ja wohl an ihrem Verhalten gelegen haben, und doch könnte ich wieder keinen Unterschied beschreiben. Obwohl beide nicht flirteten, waren sie freundlich und zugewandt, interessante und kluge Geister, gaben Raum oder nahmen sich Raum, gerade im rechten Maß. Ich würde sehr gerne sagen können, wieso meine Sympathie ungleich verteilt war.

Vielleicht ist es das äußere Erscheinungsbild, das uns einen Menschen sympathisch macht, jedenfalls ist es dafür zuständig, wo meine Blicke landen. Vielleicht ist das, was sich vermessen und in Zahlen ausdrücken lässt, das einzig Objektive, was man über ein äußeres Erscheinungsbild sagen kann, und vielleicht ist damit das, was von vielen Attraktivität genannt wird, hinreichend beschrieben. Vielleicht ist das Erscheinungsbild etwas, das wir vergessen, nachdem unser Blick dort gelandet ist, und bereits nicht mehr wahrnehmen, während wir, manchmal absichtslos, manchmal interessiert und neugierig, darin zu lesen versuchen. Mit etwas Glück erschließt sich uns etwas, das vielleicht unser Herz berührt, etwas, mit dem wir resonieren.

Hatten wir im Voraus eine Ahnung davon gehabt? Ist diese Ahnung real, realer als der freie Wille, oder eine nachträgliche Rechtfertigung? Ist unsere Sympathie bereits vergeben oder auch nicht, bevor wir die uns (un)sympathische Person zum ersten Mal bewusst wahrnehmen?

Ein jedes menschliches Erscheinungsbild gleicht in den wesentlichen Zügen jedem anderen, jedes Erscheinungsbild basiert auf Statur, Antlitz und Bewegungsmuster wie jedes andere auch, ein jedes Antlitz basiert auf Stirn, Augen, Nase, Lippen, Kinn, alles ist bei jedem Menschen nach dem gleichen Schema gefertigt. Es sind nur winzige Abweichungen in Farbe, Form und Proportion, die uns erlauben, einen Menschen von allen anderen zu unterscheiden, nahezu die für unsere Wahrnehmung alles entscheidenden Unterschiede machen. Und das haben wir vielleicht in den ersten Millisekunden unbewusst registriert? Ist unser Geist tatsächlich zugleich so schnell und so unbewusst?


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