Tagebuch. Vielleicht ist Meditieren am besten dem Defäkieren zu vergleichen, beides gleichermaßen spontane und natürliche Vorgänge, die beide in den jeweiligen Fachkreisen gerne mit hochtrabenden Worten benannt wurden, obwohl es durchaus gängige Worte für sie gibt. Vielleicht gab es Menschen, die dieses oder jenes im Laufe ihres Lebens tatsächlich nicht entdeckten, wahrscheinlicher ist, dass jeder, irgendwann einmal, sowohl das eine als auch das andere für sich entdeckte. Beide Vorgänge mussten nicht gelernt werden, man beherrschte sie, sofern man sich nicht selbst im Wege stand dabei. Sie sind nicht vermittelbar, vielleicht aufgrund ihres intimen Charakters. Intim ist hier kein Euphemismus für sexuell, sondern steht dafür, dass die Vorgänge im Inneren eines Individuums stattfinden, ohne dass ein Anderer Zugang zu ihnen hat, und dafür, dass beide sehr als etwas Eigenes, nur zu mir und meiner Person Gehöriges erlebt werden. Vielleicht fehlte es lediglich an entsprechenden sprachlichen Konventionen zur Beschreibung der Vorgänge, vielleicht gehört es ihrer intimen Natur, dass für sie mit Notwendigkeit keine sprachlichen Konventionen gefunden werden können. Ein Versuch, die Vorgänge zu lehren, kann sich auf die Einleitung der Vorgänge beschränken, was noch schwierig genug ist, danach kann man das Individuum und die Vorgänge sich selbst überlassen. Vielleicht ist es für die Einleitung unentbehrlich, eine bestimmte innere Haltung einzunehmen, die vielleicht als Offenheit, vielleicht als Bereitschaft, vielleicht als ein Erlauben, Loslassen oder Zulassen zu beschreiben ist, aber genau hier beginnt das sprachliche Glatteis, auf das zu begeben wir anderen überlassen wollen. Vielleicht ist an dieser Stelle die Not der Vermittlungsprofis erkennbar, und die Notwendigkeit, aus der sie ihre merkwürdige Sprache kreieren.
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