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Lebenslauf

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Tagebuch. Ich wurde gezeugt aus Versehen und erblickte das Licht der Welt, ohne es zu wollen. Ich atmete aufgrund eines Reflexes, und saugte Milch, weil Säuglinge eben saugen. So wurde ich Bürger eines bestimmten Staates, aber es hätte auch ein anderer sein können. Ich misstraute meinen Eltern wie auch den Lehrern und dem unsichtbaren Gott, dem ganzen Leben misstraute ich, und traute selbst meinem Mißtrauen nicht. Ich wollte die Familie nicht ertragen, die Schule nicht, das Leben nicht, und nicht den unsichtbaren Gott, und auch mein Mißtrauen nicht, aber ich hatte kein Recht auf diese Gefühle. Ich zerlegte meine Spielzeugautos, jedoch nur zum Spaß, und litt, wenn die Wiederherstellung nicht gelang, aber der Kummer verging. Die Pubertät absolvierte ich unter Vorbehalt. Ich lehnte die Haare ab, die an geheimen Stellen meines Leibes wuchsen, und hasste die neuen Gerüche und Gefühle. Ich verschenkte mein Herz, bis ich es wieder zurück brauchte, was mir nicht zustand. Auch die folgenden Lieben kamen und gingen, ohne daß ich wirklich dabei gewesen wäre. Ich verliebte mich oft, aber die Liebe spielte keine besondere Rolle, und als sie verging, war es egal. Ich wollte ich das nicht, nahm es aber als gegeben hin. Ich philosophierte ein bißchen und bildete mir vorläufige Überzeugungen, doch es hätten auch andere sein können. Als Skeptiker, der ich irgendwie war, blieb ich noch gegenüber dem Skeptizismus skeptisch. Ich versuchte ein Dichter zu sein, um mich zu zeigen, aber nicht im Ernst, da es nichts zu zeigen gab. Ich machte meine Ausbildung, weil es sich so ergab, und wurde Lehrer, jedoch nur zum Schein. Ich spiele meine Rolle wie auf einer Bühne, und ich spiele sie gut, obwohl ich ein Falschspieler bin. Ich empfange mein Gehalt wie etwas, das mir nicht zusteht, und zahle meine Steuern unter Vorbehalt. Ich heiratete und spürte sehr deutlich, daß ich genausogut auch hätte Nein sagen können, aber gerade deshalb habe ich mutwillig Ja gesagt. Ich versuche mein einziges Leben gültig zu leben, aber es könnte alles auch ganz anders sein.


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