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Medias Res

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Oder vielleicht gab es im Vorort eine Kellerbar, die sich Unterbewusstsein nannte, deren Name ausschließlich der Situation im Keller geschuldet war, und wer glaubte, der Name wolle eine Zielgruppe von Studenten, insbesondere der Psychologie, und Akademikern adressieren, der wußte vielleicht nicht, dass es in dem Vorort keine Hochschule und daher auch nur eine sehr kleine studentische Zielgruppe gab, die sich aus Studierenden zusammensetzte, die wegen der hohen Mieten im Zentrum die umständliche Anfahrt in Kauf nahmen und hier eine günstigee Bleibe gefunden hatten, wenn sie nicht im Hotel Mama hocken geblieben waren.

Oder vielleicht gab es irgendwann einmal, seinerzeit zu seiner Zeit, in der Stadt ein Wirtshaus, das sich Tränke nannte, in der das Bier günstig war und nur in Plastikbechern ausgeschenkt wurde. Hier verkehrten vielleicht ausschließlich schwarz gekleidete Personen, mit ziemlich viel Metall an den Jacken, am Gürtel und im Gesicht, an denen das einzig Bunte die Haartracht war. Seit, den rustikalen Umgangsformen dieser Menschen geschuldet, Tische und Bänke am Boden festgeschraubt waren, beschränkten sich die Anlässe für Polizeieinsätze auf nächtliche Ruhestörung. Man kannte sich, die Schwarz gekleideten wurden nüchtern und verbindlich, wenn sie versprachen, die Musik leiser zu drehen, und im Gegenzug ignorierten die Bullen das ACAB[^7]-Tatoo (All Cops Are Bastards) auf der Stirn des Rädelsführers, und wenn der ihnen Hey Bulle, heute schon en Nigger abgeknallt? nachrief, salutierten sie ironisch, verzichteten allerdings auf auf eine Anzeige.

Oder vielleicht hieß ein Wirtshaus in der Nähe einer U-Bahn-Haltestelle Zoozie’s Café, und vielleicht hingen dort großformatige Schwarzweiß-Fotos im Stil des Film Noir mit Motiven aus der Pariser Metro.

Oder vielleicht war eine ehemalige Eckkneipe in der Nähe des Funkhauses unter dem Namen Medias Res wiedereröffnet worden, mit Kulturell-Kreativen im Sinn, die beim Sender angestellt waren oder vielleicht bei einer der kleinen Medienproduktionsfirmen, die dem Sender zulieferten. Die hohen Wände und Decken jetzt in vornehmem Weiß, postmoderne Wandvertäfelungen, alles in sehr hellem kalten Licht. Ein langer, sehr elegant geschwungener Tresen bestimmte den Raum. Die Tische mit großen Abständen im Raum verteilt, weiß eingedeckt, mit drei Sorten Tellern, drei Sorten Gläsern, sieben Sorten Besteck. Das sah nach fünf Sternen aus, was es nicht war, und das sah teuer aus, was es war. Da ging man nicht hin, wegen der hohen Preise und des exklusiven Gebarens. Da ging man nicht hin, obwohl man an den dekorativen Pendelleuchten vielleicht hätte Gefallen finden können, weit ausladende bizarre Designerstücke, die an Kronleuchter erinnerten und vielleicht tatsächlich das Eleganteste und zugleich Schrillste waren, was der Markt zu bieten hatte. Man ging da nicht hin, höchstens wenn am Tresen einer arbeitete, den man kannte.


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