Vor nahezu einem halben Jahrhundert, als an dieser Kunstakademie die deutsche Avantgarde gelehrt hatte, sei diese Kunstakademie eine Ideenschmiede gewesen, in der das Verhältnis von Kunst und Gesellschaft noch einmal von Grund auf neu gedacht wurde. Die Ideen des gesellschaftlich relevanten Kunstwerkes und des politischen Handelns als Kunst seien in diesen Jahren an diesem Ort entstanden, oder vielleicht wurden sie in dieser Zeit hier nur wiederbelebt – der Laberer vermochte es nicht zu sagen, und es interessierte ihn auch nicht.
In dem Maße, wie die Professoren und Dozenten der Akademie die Kunst aus dem Elfenbeinturm entlassen hätten, sei die Akademie zu einem Hexenkessel geworden, in dem Provokation und Tabubruch, edle Einfalt und stille Größe zu einem höchst inspirierenden Gebräu verkocht worden seien. Hatte es irgendwo sonst auf de Planeten etwas Vergleichbares gegeben? Wohl kaum.
Nach diesen glorreichen Jahren seien die Professoren emeritiert und bald darauf verstorben, hoffentlich in dem Bewusstsein, etwas Wichtiges hinerlassen zu haben, das von Dauer sein würde. Doch nichts ist von Dauer, denn auch die höchsten Ideale scheiterten am Zeitgeist, wenn dieser Geld verspricht, mehr Geld, schnelleres Geld.
Dank dieser glorreichen Jahre pflegte die Kunstakademie ihr glorreiches Image, bis in das neue Jahrtausend hinein, und niemanden schien es zu irritieren, dass die Gloriole in die Jahre gekommen war und deutliche Altersflecken hatte. Die Stadt, in der Webster lebte, profitiere davon nach wie vor, und würde wohl auch noch einige weitere Jahrzehnte davon zehren. Doch in Wahrheit sei davon schon längst nichts mehr übrig. Das sage uns er, der Laberer.