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Fannys Reich

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Fanny besitzt und bewohnt eines der vielleicht unerhört teuren Grundstücke in der Nähe des Flusses, vom Fluss getrennt durch einen Wirtschaftsweg und die hohe Uferböschung. Es hat die Größe von vier Fußballfeldern und ist weitgehend unbebaut. Etwas tiefer im Grundstück steht Fannys Atelier, eine umgebaute Garage, und am gegenüberliegenden Ende Fannys ehemaliges Elternhaus, die Villa, recht nahe der Straße und so weit vom Fluss entfernt, dass die meisten sie schon gar nicht mehr mit dem Flussgrundstück in Verbindung bringen. Die Villa ist vermietet an fremde Leute, eine Familie mit mehreren erwachsenen Kindern und mehreren Kraftfahrzeugen. Die Zahl der vorhandenen Carport-Plätze reicht der Familie bei weitem nicht aus, und sie stellen regelmäßig die Einfahrt zu, wodurch die Fahrzeuge sich gegenseitig blockieren, und parken die verbleibenden Fahrzeuge im öffentlichen Raum vor dem Haus.

Das Grundstück liegt in einem noch kaum erschlossenen Teil des Vororts. Wenn Webster noch in Vorort-City etwas einkaufen will, um es zu Fanny mitzubringen, reist er mit der S-Bahn an. Allerdings ist der Fußweg von der Fußgängerzone des Vororts bis zu Fannys Garage ziemlich lang.

Lieber kommt Webster mit dem Bus. Die Fahrt selbst dauert zwar länger, und Webster ist ungeduldig, und zugleich genießt er sie. Und der Fußweg zu Fanny ist erheblich kürzer, was ihm beim Aufbruch stets als ein Vorzug erscheint, sich gelegentlich jedoch wie ein Nachteil anfühlt, sobald er dem Bus entstiegen ist. Wenn er losfährt, wünscht er, möglichst bald bei ihr zu sein. Im Vorort angekommen, empfindet er oft den merkwürdigen Impuls, die Ankunft bei Fanny hinauszuzögern.

Er steigt aus, geht ein kleines Stück zurück bis zu einer maroden, für Kraftfahrzeuge gesperrten Holzbrücke, und überquert den Fluss. Der Wirtschaftsweg, auf dem er jetzt ein paar hundert Meter flussabwärts geht, grenzt bereits an Fannys Grundstück. Nach einer Weile endet der Stacheldraht, an seine Stelle treten dichte Brombeersträucher, mehr als mannshoch und undurchdringlich. Sie beschützen die Pforte zu Fannys Grundstück. Webster ist vielleicht der einzige, der diese Pforte erkennt, und vielleicht auch der Einzige, dem es gelingt, unverletzt durch die Pforte zu schreiten.

Fanny Grundstück ist ein Brachland, von kniehohem Gras und wilden Kräutern und Gestrüpp bewachsen, zu nichts nütze, von niemandem genutzt, obwohl es vielleicht eine Weide sein könnte, für Pferde vielleicht oder Kühe, und Webster überquert es ohne Eile.

Und nun steht er eben doch vor Fannys umgebauter Garage, die, als Fannys Eltern noch lebten, ein 8-Meter-Boot und ein Wohnmobil beherbergt hatte. Durch die bodentiefen Fenster, die Fanny an Stelle der Schwingtore hatte einbauen lassen, sieht er in das angenehme Durcheinander von Fannys Atelier, bemüht, vor den staubigen Regalen, oder vielleicht an der Werkbank mit der Druckerpresse, oder vielleicht zwischen den Staffeleien Fanny zu entdecken.

Fanny wird wohl im Dachgeschoss sein, das sie hat aufsetzen lassen, mit kleinem Wohn- und Schlafzimmer, Bad und Küche, alles ganz studentisch, aber Fanny scheint es genau so zu mögen, und Webster findet es als unser Liebesnest auch in Ordnung.

Webster sucht, obwohl er weiß, dass Fanny ihn erwartet und nicht abgeschlossen hat, nach dem Schlüsselbund. Er würde am liebsten klingeln, bevor er Fannys Reich betritt, aus Respekt vielleicht, oder damit sie nicht erschrickt, so ganz genau weiß er es selber nicht, doch Fanny findet Klingeln spießig und hat beim Umbau der Garage mit Absicht darauf verzichtet. Und Webster klopft mit der Spitze eines Schlüssels gegen das Glas der bodentiefen Eingangstür, was ein scharfes und durchdringendes Geräusch ergibt, das Fanny selbstverständlich auch erschreckt. Und wartet, bis er Fanny die Treppe herunterkommen sieht, dann erst drückt er die Türe auf. Und sie tritt ihm entgegen, barfuß und mit wirrem Haar und in einem sehr weiten Kleid, und sagt Hi.


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