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Der Vorort

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Vielleicht gibt es in jeder Metropole diesen einen besonderen Vorort, der, obwohl er bereits seit mehreren Jahrzehnten oder Jahrhunderten der Stadt einverleibt ist, noch immer nicht ganz dazugehören will. Zwar ist sein Ortsteilzentrum kleiner als das Zentrum der großen Stadt, doch ist es ausgeprägt, und ist deutlicher ein Zentrum als die Zentren aller anderen Ortsteile, denn hier in diesem Ortsteilzentrum findet man eine Fußgängerzone mit mehreren großen Kaufhäusern, ein Einkaufszentrum, ein Theater, ein Museum, einen Bahnhof, vielleicht sogar ein eigenes Rathaus. Man sagt, man gehe in die Stadt, wenn man zum Einkaufen in diese Fußgängerzone geht, oder in die große Stadt, wenn das Zentrum der Metropole gemeint ist.

Dieser Vorort ist vor Jahrzehnten selbständige Gemeinde gewesen, bis er eingemeindet wurde. Vielleicht lag er immer schon an einem Fluss, vielleicht erst durch die Eingemeindung. Die Bewohner haben noch nicht akzeptiert, dass sie ihre kommunale Selbständigkeit verloren haben. Fanny macht das nichts aus, sie ist zu alt für sowas, oder zu jung vielleicht.

Vielleicht ist der Vorort der älteste Stadtteil, vielleicht der größte, vielleicht der schönste. Vielleicht ist er an einem schiffbaren Fluss gelegen, vielleicht an dem selben, an dem auch die Stadt liegt, vielleicht an einem Zufluss.

Vielleicht hatte der Vorort immer schon einen eigenen Hafen, der jahrhundertelang mit dem Hafen der großen Stadt konkurriert hat, und, obwohl er dem Meer einige Meilen näher liegt, aufgrund einer ungünstigen Verkettung der Umstände von den Schiffern nicht so gut angenommen wurde und sich deshalb im Rennen um die wirtschaftliche Vorherrschaft geschlagen geben musste.

Leicht ist daran abzulesen, dass dieser Ortsteil Geschichte hat, die einmal seine eigene war, solange er sich über Jahrhunderte unabhängig von der großen Stadt entwickelt hat, von der er jetzt nur noch ein Teil sein darf.

Vielleicht wird in diesem Vorort eine eigenständige Lokalzeitung herausgegeben, deren Erscheinungsgebiet auf den Vorort und dessen Hinterland beschränkt ist, die in der großen Stadt an keinem Kiosk zu haben ist, nicht einmal am größten Kiosk im Hauptbahnhof.

Vielleicht ist die schlechte Anbindung des Vororts an das Zentrum der Grund dafür, dass die Bewohner sich wie Ausgestoßene fühlen. Die Bewohner der großen Stadt haben diesen Vorort niemals richtig als Teil ihrer Stadt angenommen, sie fahren nur selten in diesen Teil ihre Stadt, den sie vielleicht etwas belächeln, weil er kaum Sehenswürdigkeiten zu bieten hat, weil seine Parks weniger weitläufig sind als die in Zentrumsnähe, weil Einkaufszentren nicht so viel Auswahl bieten wie die in der Stadtmitte, und weil in den Kinos die großen Filme später anlaufen als im Zentrum.


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