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Webster

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Vielleicht lebte im dritten Jahrzehnt des dritten Jahrtausends unserer Zeitrechnung in einer mäßig wichtigen deutschen Großstadt ein Mensch, dessen Glorie von seiner Mittelmäßigkeit herrührte. Weder hatte er eine Stellung in der Gesellschaft inne, die ihn irgendwie ausgezeichnet hätte, noch machte er etwas Besonderes aus seinen Talenten, noch sah er irgendwie besonders aus. Mittelmäßigkeit war sein Markenzeichen. An der Kunstakademie dank seiner herausragenden Mittelmäßigkeit angenommen, als freier Künstler aufgrund seiner niederschmetternden Mittelmäßigkeit am Markt gescheitert, lebte er nun ein irgendwie vergnügliches mittelmäßiges Leben. Er verdiente seinen Lebensunterhalt als Verkäufer von Künstlerbedarf, wohnte zur Miete, fuhr mit öffentlichen Verkehrsmitteln, war gesetzlich krankenversichert, hatte Rücklagen in Höhe von einigen tausend Euro, vielleicht auch weniger. Wenn er nicht arbeitete, Musik hörte, alleine durch die Stadt schlenderte, las, oder in einem Café saß, oder sich mit einem Freund traf, fuhr er raus zu seiner Liebsten, trank mit ihr und plauderte, und dann schliefen sie zusammen, oder auch nicht. Und das schien ihm zu genügen. Mehr als das gab es in seinem Leben nicht, und es dürstete ihn auch nicht nach mehr. Und damit ist die ganze Handlung dieses Buches im Wesentlichen bereits erzählt. Nichts Besonderes wird in diesem Buch passieren.

Da nicht vollkommen sicher ist, ob er, der Protagonist, überhaupt gelebt hat, haben wir auch keine Gewissheit über seinen Namen. Soll er an einigen Passagen dieser Erzählung irgendwie eindeutig identifizierbar sein? Oder wollen wir ihn, wie manch anderen auch, stets allein mit dem Personalpronomen der dritten männlichen Person bezeichnen und dabei billigend in Kauf nehmen, dass er mit anderen Akteuren dieser Erzählung, sofern sie von gleichem Sexus sind, verwechselt werden kann? Wollen wir ihn bei seinem Vornamen oder seinem Nachnamen rufen? Soll er etwa Adam heißen, Oliver oder Kevin, oder gar Adolf? Müller, Bachor oder Hinkel vielleicht? Hat er einen Spitznamen oder geben wir vor, dass er einen habe, und sei dieser Spitzname eine Verhunzung seines ursprünglich deutschen Vornamens, Manni oder Jupp vielleicht, oder eine Ypsilon-Amerikanisierung wie Benny, Jonny oder Sammy? Oder ist sein Spitzname eine esoterische Anknüpfung an ein Ereignis aus seiner Kindheit, wie Üffes, Atta oder Koo, nur einigen Eingeweihten aus dem engeren Familienkreise noch verständlich? Oder, wie Stöckchen oder Lippe, eine neckische Anspielung auf eine alte oder neuere Marotte, oder eine seiner Vorlieben, zum Beispiel Pommes, Fritte oder Mayo? Oder Anspielung auf und Erinnerung an ein möglichst peinliches Ereignis, wie Latte oder Ständer? Oder finden wir einen Namen, der sowohl Vor- als auch Nach- als auch Spitzname sein kann? Heißt unser Protagonist etwa Wolf, oder Ernst, Hagen, Horst, Wendelin? Kriegt er lediglich einen Anfangsbuchstaben, vielleicht versehen mit einem Sternchen? Oder heißt er Webster, mit oder ohne Dabbel-Juh, ohne Rechtfertigung, ohne Sinn und Verstand, einfach Webster. Webster heißt Webster, weil Webster eben Webster heißt. Punkt.


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