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Vermeer

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Vermeer hat später stets bestritten, es mit Absicht inszeniert zu haben. Aber was sonst hatte er sich dabei gedacht? In Holland hatten sie ihn von der Akademie entfernt, aus Gründen, über die er selbst nicht sprach, aber einige erzählten, er habe der Frau des Akademiepräsidenten zu tief in die Augen geschaut, während wieder andere behaupteten, es sei der Akademiepräsident höchstselbst gewesen, mit dem er was gehabt habe. Diese Frage blieb offen, wie auch die Frage, woher die angeblich gut Informierten das wissen wollten. Jedenfalls kam er zu uns in die Klasse und stellte sich vor mit seinem niedlichen holländischen Akzent, nannte seinen richtigen Namen, an den sich heute niemand mehr erinnert, er komme aus Delft und wolle hier bei uns Malerei studieren. Das gab vielleicht ein riesiges Aber-Hallo. Er kann doch nicht im Ernst geglaubt haben, dass wir den Maler aus Delft nicht kannten, Kunststudenten, die wir waren! Binnen Minuten hatte er seinen Spitznamen weg, und Vermeer hat sich diesen Spitznamen selten verbeten, auffällig selten, wie manche meinen. Bewies beim Aktzeichnen ein sehr präzises Gespür für Proportionen. Malte recht ordentlich, akademisch korrekt, und zugleich kaum inspiriert und wenig originell. Hatte ein besonderes Händchen für schicke Portraits, stellte sich heraus, einerseits sehr realistisch, detailgetreu, andererseits mit einige kleinen Freiheiten. Eine falsche Farbe hier und da, ein etwas übertriebener Kontrast an der einen oder anderen Stelle, ein paar Linien, wo eigentlich keine waren, schon wirkte das Ding irgendwie künstlerisch, vielleicht modern irgendwie. Nicht dass diese Eingriffe den Portraitierten charakterisiert hätten, und karikiert schon gar nicht. Wusste wohl selbst nicht so genau, welchem künstlerischen Anspruch er damit gerecht werden wollte. Schwer zu sagen, ob er überhaupt künstlerische Ansprüche hatte. Jedenfalls hat sich später ein Galerist in die Sachen verguckt, und damit begann Vermeers erfolgreiche Karriere als Gesellschaftsmaler.


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