Alle Fenster des ehemaligen Bahnhofsgebäudes waren erleuchtet, die meisten nur schwach. Drei besonders hohe Spitzbogenfenster an der Schmalseite des Gebäudes warfen helle Flächen auf den glänzenden Asphalt, das waren die Fenster an der Rückseite des Podiums. Dahinter bewegten sich farbige Schatten in menschenähnlicher Gestalt, seltsam in die Länge gezogen und in verschiedenen Farben vervielfacht. Scheinwerfer bestrahlten das Podium, die Musiker, die Instrumente, das meiste Licht aber fiel durch die großen Fenster nach draußen.
Im Eingangsbereich eine junge Frau neben einem Tischchen. Darauf stand offen eine rote Blechkiste mit stark abgerundeten Ecken, einem Metallbügel als Griff in der Mitte des Deckels. Was aber passierte, wenn man sie daran hochnahm, obwohl der Deckel nicht abgeschlossen war …? Stempel und Stempelkissen, ein Glas Rotwein. Eine ausgediente Kaffeebüchse gähnte die Besucher an. Jemand hatte den Markennamen mit breitem weißen Pflaster überklebt und mit dickem Filzer Tip darauf geschrieben. Kaffeedose, Kaffeekasse, alles klar. Eine strahlend freundliche muntere kleine Person, die wohl die Besucher, jeden einzelnen, zu mögen schien. Nichts an ihrer Freundlichkeit wirkte bemüht. Oder aufgesetzt. Webster war jedes Mal beglückt, wenn sie die Kasse machte.
Webster grüßte mit einem kleinen Lächeln. Und suchte in seinen Karten nach dem Mitgliedsausweis. EC-Karte, Gewerkschaftsausweis, Bahncard, Kreditkarte, Kundenkarten verschiedener Läden, Bücherei, Krankenkasse, Führerschein. Lass ma, sagte die Kleine, kenn dich doch. Gerade hatte er ihn gefunden. Rickenbacker Club Member Card — wer sich sowas ausdachte. Welchen Bezug hatte das, wozu? Das historische Gebäude und seine frühere Nutzung als Bahnhof konnte Webster in dem Namen nicht entdecken. Er schob den Mitgliedsausweis wieder zurück. Im Vorübergehen fütterte er die Kaffeedose mit einem kleinen Schein.
Den Vorteil der Mitgliedschaft sah Webster vor allem darin, dass er sich nicht stempeln lassen musste. Wenn man nur zehn Mal im Jahr ein Konzert besuchte, war es außerdem günstiger. Webster ging, wann immer es passte, ohne vorher nachzusehen, wer angekündigt war. Man kannte die allermeisten Bands ohnehin nicht. Es war eine Entdeckungsreise.