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Fannys Alter

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Sie hatte vor wenigen Jahren mit dem Yoga angefangen und mit dem Trinken aufgehört, so alt oder so jung war sie. Sie war voller Hoffnungen und Wünsche, und zugleich machte sie sich ziemlich wenig Illusionen. Sie träumte davon, auf den Großen Seen zu paddeln, Oberer See, Michigansee, Huronsee, Erisee, Ontariosee, einer nach dem anderen, vielleicht nicht ganz der Länge nach, aber doch wenigstens ein Stückchen, das traute sie sich durchaus noch zu, oder schon, wie sie sagen würde, denn die Körperkraft dafür hatte sie erst durch das Yoga entwickelt. Vielleicht könnten Fannys Eltern noch leben, hätten sie nicht diesen Unfall gehabt. Und vielleicht könnten Fannys Eltern Großeltern sein, hätte Fanny sich nicht dagegen entschieden, vor vielen Jahren schon, das Thema Mutterschaft lag gründlich hinter ihr, und sie gab sich dem Sex vollkommen ungehemmt hin und verließ sich bei der Verhütung ganz auf die biologischen Prozesse, vielleicht zu Recht, jedenfalls mit Erfolg. Sie glaubte nicht mehr an den Kunstmarkt, sie glaubte nicht mehr an die Kunstkritik, sie war nicht angewiesen auf das Geld des Marktes, sie war nicht angewiesen auf die Anerkennung der Kritik, sie lebte von ihrem eigenen Geld, sie war ihr eigener Maßstab, mehr brauchte sie nicht, und alle Galeristen und Journalisten gingen ihr schon längst herzlich am Arsch vorbei, so jung oder so alt war sie. Und zugleich hoffte sie weiterhin auf einen Durchbruch als Künstlerin, auf die eine künstlerische Geste, in der sie selbst vollkommen enthalten war, sei es so etwas Dramatisches wie das Internet lahmzulegen, oder etwas zutiefst Stilles wie zwei Ziegelsteine gegeneinanderzuschlagen, jedenfalls etwas, mit dem sie tat, was sie tun musste, etwas, das sie den Säuen vorwerfen würde, als gäbe es keine Welt mehr am Tag danach, und vielleicht war die Idee der vollkommenen und vollständigen künstlerischen Geste die Illusion einer nach Autonomie strebenden viel zu verträumten Frau, die für all das viel zu alt und zugleich viel zu jung war.


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