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Erstes Pils

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Er suchte sich seinen Hocker am kurzen Ende des Tresens, von wo aus er, an die Wand gelehnt, das Geschehen hinter dem Tresen beobachten konnte. Die Bedienungen hatten eine große Bestellung in Arbeit und waren sehr in Eile. Die eine zapfte hastig ein gutes Dutzend Helle, die mit den hochgesteckten Haaren stellte die noch überschäumenden Gläser auf zwei Tabletts und trug sie in den hinteren Nebenraum. Die am Zapfhahn begrüßte Webster mit einem kleinen Lächeln des Wiedererkennens. Wie immer? Webster grüßte zurück und zeigte mit einer Geste beider Hände, dass er ein großes Pils wünschte. Wie immer.

Sie wandte sich wieder zum Zapfhahn um. Ihre Haare waren sehr kurz, fast wie bei einer Männerfrisur, und sie trug ein ärmelloses Unterhemdchen, im Rücken sehr tief ausgeschnitten. Während sie am Zapfhahn hantierte, beobachtete er fasziniert das Spiel ihrer Schulterblätter in dem weiten Ausschnitt. Helle, aber nicht winterlich kalkige Haut, glatt und glänzend. Das Pils schäumte über. Sie strich mit einem Löffel den überflüssigen Schaum ab und zapfte einmal vorsichtig nach. Wandte sich um, tippte auf einem Display herum, das in die Wand eingelassen zu sein schien, strich mal nach oben, mal nach unten, öffnete dann zwei Flaschen, stellte sie auf ein Tablett, zwei Gläser dazu, und dann das Tablett auf den Tresen. Wandte sich dann wieder seinem Pils zu, dessen Schaum zusammengesackt war, und schoss noch einmal kräftig nach.

Das erste Pils des Abends, mit Ruhe und Sorgfalt gezapft, eröffnete das Fest, mit einer großartigen Blume, das Glas beschlagen. Als ob er mit jemandem anstoßen wollte, hob er das Glas, doch weil noch niemand da war, schaute er nur dem Schaum zu, der am Glas herunterlief und eine glänzende Spur hinterließ. Der erhebende Moment vor dem ersten Schluck, in dem er wortlos dankte, ohne dass er hätte sagen können, wem, und sich freute lebendig zu sein in der vermutlich besten aller Welten, einer Welt, in der die Männer und die Frauen und der Hopfen und das Malz existierten. Er wischte sich den Schaum von der Lippe und hing versonnen der Frage nach, was für ein Gott das war, dem er gerade gedankt hatte.

Die mit den hochgesteckten Haaren kam zurück, bemerkte ihn und begrüßte ihn mit einem langgezogenen Naaa? Sie war die reine Geschäftigkeit, nüchterne Stimme, kein Lächeln, kein Blick. Selber Narr, gab er spöttisch zurück. Sie zog wortlos an ihm vorbei, warf die leeren Tabletts auf die Anrichte und stellte sich mit hängenden Armen hinter den Tresen. Sie wirkte jetzt schon erschöpft, oder entnervt, oder beides, wer konnte das sagen, vielleicht wusste sie selbst es nicht so genau.



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