Die Bedienerin mit den hochgesteckten Haaren, trotz ihrer unangenehmen Ausstrahlung vielleicht die hübschere, trug an einem breiten schwarzen Gürtel um die Hüften mehrere schwarze Ledertaschen, darin die Kellnerbörse, ein Gerät für Kartenzahlungen und ein Smartphone, das sie zur Aufnahme von Bestellungen nutzte. Die Taschen schlugen ihr bei jedem Schritt auf Pobacken und Oberschenkel, und er folgte den Taschen mit Blick und Gefühl, als ob es seine Hände wären. Unten liegen und die Backen kneten.
Noch eins? Zwei Pilsken waren eigentlich genug, zwei hatte er sich vorgenommen. Aber in Anbetracht der beiden entzückenden Rücken war eine Entscheidung fällig. Er wollte gerne von sich glauben, dass er hier der Entscheider sei, aber wer es wissen konnte, wusste: Dem war nicht so. Die Menschen hier im Raum konnten es nicht wissen. Er in seinem innersten Kopf wollte es nicht wissen. Die Entscheidung war bereits gefallen, bevor er darüber nachdachte, sie zu fällen. Das war die Magie des zweiten Bieres, es fällte die Entscheidung zugunsten eines dritten. Ja bitte.
Die Hübschere forderte Gäste allein mit einem kurzen Hochrecken des Kinns zur Abgabe der Bestellung auf. Hielt sie eine Bestellung für abgeschlossen, steckte sie das Smartphone ein, wandte sich wortlos ab und ging mit flinken Schritten zum Tresen. Ihre Arroganz knacken, über die abweisende Art obsiegen, von ihr begehrt und angebetet werden.
Während sie Gläser aus dem Gestell über dem Tresen nahm, sah er in ihre Achselhöhle, das Spiel von Brust- und Rückenmuskeln, und für einen kurzen Moment nur, aber doch lang genug, erkannte er ein Büschel leicht gekräuselter dunkler Haare. Die Nase tief in dieser Höhle bergen und mit einigen Atemzügen ihren scharfen Achselduft einatmen.
Sie brachte die Getränke an einen Tisch und wusste noch genau, welcher Gast welches Getränk bestellt hatte, und platzierte die Gläser ohne Rückfragen vor den richtigen Gästen. In diese Schultern beißen, die Nackensehnen küssen, die feinen Härchen fühlen.
Beim Kassieren blickte sie durch einen hindurch, als komme das Geld aus weiter Ferne in ihre Hand geflogen, das Rückgeld händigte sie aus, als müsse sie hinten im Raum ein absonderliches Geschehen im Blick behalten. Sie dankte nicht, auch nicht für Trinkgeld, und wenn ein Trinkgeld besonders hoch ausfiel, zog sie die schmalen Lippen eine Winzigkeit breiter und hob eine Augenbraue, was leicht süffisant wirkte. Ihre volle Aufmerksamkeit haben, ihren Kopf an seiner Schulter, seine Hand auf ihrem Handgelenk, ihren Bauch an seinem.
Stand sie etwas vornübergebeugt, sah er gelegentlich im vorderen Ausschnitt den Ansatz der Brüste, die etwas länglich wurden, und schmaler auch, in dieser Stellung. Mit beiden Händen in den Ausschnitt greifen, mit den Fingerkuppen über die runde Haut streichen, das weiche Fleisch sanft drücken, bis man in der Hand ihre Antwort fand, die härter gewordenen Knospen.
Bilder, Vorstellungen, Phantasien, Wünsche, lebhaft, farbig, sie erregten ihn, und eine Unruhe zog durch seinen Leib, nistete im Rumpf, beim Brustbein, wie ein flacher Atem und ein schwach gewordener Puls.
Er dachte nach und versuchte zu erkennen, ob es Erinnerungen oder Wünsche waren, die Wohligkeit, die Reize der Rundungen, die Gerüche, doch er konnte sich nicht mehr so ganz wie bewohnt konzentrieren, und alles blieb ihm irgendwie unscharf.
Er vergaß, dass er als er selbst existierte und zu einer gegebenen Zeit, nämlich jetzt, an einem realen Ort, und zwar hier, anwesend war als ein Individuum mit freiem Willen und Entscheidungsmöglichkeiten und Handlungsoptionen. Dass er ein Subjekt war mit selbstgesetzten Zielen, mit einer Vergangenheit und einer Zukunft.
Wäre er von seiner Faszination nicht so vereinnahmt gewesen, hätte er einen Moment innegehalten und wäre ins Fühlen gekommen, so hätte die Faszination sich ihm vielleicht als Verlangen gezeigt.