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Coverversion

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Die Musik im Blauen Planeten war selbstverständlich kein Jazz, sondern alternativer Rock und Pop, und zugleich war sein Ohr nicht ausschließlich für Jazz offen, oder vielleicht sollte man sagen: sein Hörsinn, oder besser noch: jener Teil seines Herzen, der an das Ohr angeschlossen war? Oder sagen wir einfach: er mochte auch allerhand andere Musikgenres außer Jazz, und zugleich mochte er auch nicht alle Spielarten innerhalb des Genres Jazz.

Jetzt horchte er gründlich auf, denn was er da hörte, davon wackelte ihm Herz im Leibe wie ein Lämmerschwänzchen. Eine weibliche Stimme, die das Lied, von einer Akustikgitarre begleitet, mit tüchtig musikantischem Schmackes vortrug, dass es eine Lust war. Die Musik im Blauen Planeten war von Anfang an ein Grund gewesen, warum er gerne herkam, und doch hatte er sich noch nie so tief angesprochen gefühlt wie von diesem Stück jetzt.

Er hielt inne und lauschte. Dieses Stück hatte irgendwas Charmantes und auch viel Bekanntes an sich. Das war vor zig Jahren, zu Anfang des Jahrtausends. Er arbeitete noch an seiner Karriere, und weil er nicht genug verkaufte, hatte er einen Nebenjob in einer Spedition. Er sah das Büro der Sekretärin vor sich, ihren Schreibtisch mit den zwei Bildschirmen und dem kleinen CD-Player. Er sah sich selbst, wie er eilig dieses Büro durchkreuzte, damit er einen bestimmten Song aus dem Radio der Sekretärin nicht allzu lange hören musste. Stumpf ist Trumpf, hatte er gedacht, da er nichts Musikalisches an dem Song hatte erkennen können. Breite und massive Klangplatten aus dem Synthesizer, die Stimme der Sängerin mit einem damals noch sehr neuen Effekt verzerrt, das Schlagzeug wie aus einem alten Drum-Computer. Der Titel war einer bestimmten Stilrichtung zuzuordnen, die zu jener Zeit tatsächlich hip war, die betonte und demonstrative Künstlichkeit des ganzen Produkts war eines der wesentlichen Merkmale dieses Stils. Er war empört, Musikindustrie, dachte er schnaubend, mit Betonung auf Industrie, Ausbeutung von allem, was man in den Ohren und Herzen der Menschen irgendwie ausbeuten kann. Ein paar Monate später hatte die Sekretärin sich sattgehört, oder ihr Radio war kaputt, oder sie hatte einen neuen Musikgeschmack. Im Winter war der klebrige elektronische Stampf wieder vergessen, noch bevor dessen Titel sich er eingeprägt hatte.

Nun hörte er eine warme akustische Coverversion genau dieses schrecklichen Titels, hielt inne und lauschte. Nur zwei Instrumente, Gitarre und Stimme, vollkommen ungeziert, gelöst swingend alleine durch enge und überraschende Phrasierung. Was für eine hübsche kleine Melodie in dem Stück enthalten war! Wieviel feinen Swing der stumpfe Song plötzlich hatte! Wie wenn man sein Fahrrad mal wieder gründlich geputzt hatte. Diese schlichte Coverversion stellte die Anmut und den Glanz heraus, die in dem ursprünglichen Hit unter einer dicken Schicht von Elektronik und Effekten verborgen gelegen hatte.

Was für ein Lied ist das, sagte er zu seinem Smartphone, wartete eine Weile, und schließlich nannte die freundliche Stimme aus seinem Smartphone Titel und Interpretin. Ja, genau, das war der Titel, klar, jetzt erinnerte er sich wieder, aber der Name der Sängerin? Musste er mal googeln.


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